Die Coronavirus-Pandemie – Eine Chance, Deutsch zu lernen

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Der Unternehmer Charles Quensel ist ein intimer Kenner der Nordwestschweizer Wirtschaftslandschaft und hat nach einer steilen Karriere bei Nestlé, Novartis und Wyeth Pharmaceuticals in nationalen und internationalen Positionen fast 20 Jahre lang als Headhunter freie Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweizmit den besten Köpfen der Welt besetzt. Im Interview mit EasyDeutsch Basel erklärt er, welche Bedeutung Deutschkenntnisse im Arbeitsmarkt haben und warum es besonders in der Corona-Krise Sinn macht, in eine Verbesserung seiner Deutschkenntnisse zu investieren.

EasyDeutsch Basel: Herr Quensel, nehmen wir an, dass ich einen englischsprachigen Job in der Pharmaindustrie habe und ohne Deutschkenntnisse wunderbar durch’s Leben komme. Wieso sollte ich mir trotzdem die Mühe machen, Deutsch zu lernen?

Charles Quensel: Diese Frage muss differenziert beantwortet werden. Wenn Sie dabei sind, die Karriereleiter in einem multinationalen Konzern zu erklimmen, wird die Schweiz wahrscheinlich nur eine von zahlreichen internationalen Stationen in ihrem Leben bleiben. Wer weiss, dass er die Schweiz bereits in wenigen Jahren verlassen wird, ist verständlicherweise kaum motiviert, Deutsch zu lernen.

Charles Quensel

EasyDeutsch Basel: Und was ist, wenn ich weiss, dass ich in der Schweiz bleiben will?

Charles Quensel: Wenn Sie Ihre Zukunft in der Schweiz sehen, hier Familie und Haus haben, sieht die Sache schon etwas anders aus. Wer in der Schweiz bleiben will, Kinder hat, die hier in die Schule gehen und Schweizer Freunde und Nachbarn hat, der wird um gute Deutschkenntnisse nicht herumkommen. Ich habe in meiner Laufbahn bei Novartis Expat-Kollegen gehabt, die teilweise seit über zehn Jahren in der Schweiz waren und trotzdem weder Deutsch sprachen noch verstanden. Entsprechend belastet war dann auch das persönliche Arbeitsverhältnis zwischen diesen und manchen Kollegen. Das ist eine Situation, die ich mir selber nicht wünschen würde. Sie sehen also, dass man rein beruflich auch ohne Deutschkenntnisse in der Schweiz zurechtkommen kann. Der soziale Anschluss aber wird fehlen. Ich würde uns Schweizer als tolerant bezeichnen. Dennoch fragt man sich bei so jemandem irgendwann, warum und ob er überhaupt in der Schweiz sein will.

 Ich habe aber auch schon das Gegenteil erlebt. Vor ein paar Jahren ist eine Frau in mein Quartier gezogen, die bei ihrer Ankunft kein Wort Deutsch sprach. Das erste, worum sie sich gekümmert hat, war ein Deutschkurs. Bereits nach zwei Wochen wechselten wir die ersten Worte auf Deutsch. Heute spricht sie fliessend Deutsch und nimmt mir ihrer Familie aktiv am Quartierleben teil. Wer sich in die Schweizer Gesellschaft integrieren will, muss seine isolierte Expat-Welt irgendwann verlassen. Die Kenntnisse der jeweiligen Landessprache sind dafür unabdingbar.

EasyDeutsch Basel: Der Fall, den Sie schildern, ist eindrücklich. Dennoch ist er wahrscheinlich eher die Ausnahme denn die Regel?

Charles Quensel: Meiner Erfahrung nach ist in Bereichen wie zum Beispiel Marketing und Verkauf Deutsch zwingend erforderlich. Oft bewerben sich Personen, deren Deutschkenntnisse eher dem Niveau A2 als dem von Unternehmen meistens geforderten Niveau B2 entsprechen. Solche Kandidaten haben nahezu keine Chance eine Stelle mit Kundenkontakten in der Schweiz zu finden.

EasyDeutsch Basel: In der Schweiz gilt ein gutes Netzwerk auch im internationalen Vergleich bei der Stellensuche als ausserordentlich wichtig. Welche Rolle spielen gute Deutschkenntnisse Ihrer Meinung nach in diesem Zusammenhang?

Das stimmt. Insbesondere bei sehr spezialisierten Branchen ist ein gutes Netzwerk sehr wichtig bei der Stellensuche. Egal ob es um das berufliche oder das private Netzwerk geht: Es macht Sinn, in gute Deutschkenntnisse zu investieren. Das gilt für ein Land wie die Schweiz besonders. In den USA ist es zum Beispiel sehr leicht Kontakte zu knüpfen. Diese bleiben aber oft sehr oberflächlich und es ist schwierig, sich mit jemandem wirklich gut anzufreunden. In der Schweiz ist es genau umgekehrt. Schweizer brauchen lange, bis sie jemandem vertrauen. Wenn sich dann aber einmal angefreundet hat, hält diese Freundschaft sehr lange. Gute Deutschkenntnisse helfen dabei ungemein, denn sie senden ein Signal aus: «Ich bin offen, ich will mit euch kommunizieren können, ihr seid mir wichtig».

EasyDeutsch Basel: Wir befinden uns im Moment wegen der Coronavirus-Pandemie in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit mehreren Jahrzehnten. Viele Menschen sind in Kurzarbeit, fürchten um Ihren Job oder haben ihn bereits verloren. Macht es in dieser Situation im Hinblick auf die Stellensuche Sinn, in seine Deutschkenntnisse zu investieren?

Auf jeden Fall! Wer Deutsch lernt, sendet auch diesbezüglich das klare Signal aus, dass er offen und bereit ist, einen Effort zu leisten und sich zu integrieren. Das hilft bei der Stellensuche. Das Erlernen von Fremdsprachen ist generell etwas, das ich jedem ans Herz legen kann. Fremdsprachenkenntnisse erweitern den eigenen Horizont und eröffnet eine Fülle an Möglichkeiten – egal ob es um die Erweiterung des Netzwerks geht, um das Privatleben oder auch nur um das eigene Hobby. Das Erlernen von Fremdsprachen ist essenziell.

Du siehst also – Deutsch lernen lohnt sich.

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Kontakt Charles Quensel

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